Dinant 1914

Vor nun genau hundert Jahren lieferte das Attentat von Sarajevo den kriegslüsternen Staaten Europas den willkommenen Anlass, zu den Waffen zu schreiten. Am 4. August stimmt auch die SPD im deutschen Reichstag den Kriegskrediten zu: „Wir lassen in der Stunde der Gefahr das eigene Vaterland nicht im Stich“, so ihr Vorsitzender Hugo Haase. „Am 4. August 1914 hat die deutsche Sozialdemokratie politisch abgedankt, und gleichzeitig ist die sozialistische Internationale zusammengebrochen“, muss hingegen Rosa Luxemburg feststellen, die bis zuletzt vor der Beteiligung am Krieg gewarnt hatte.

Unterdessen sind bereits am Morgen desselben Tages die kaiserlichen Truppen vom Rheinland völkerrechtswidrig in das neutrale Belgien einmarschiert. Schon in den ersten Tagen hinterlassen sie in Orten wie Moelingen, Warsage, Berneau, Visé im kollektivem Wahn aus Angst vor angeblichen Franktireurs (Partisanen) eine Spur von Kriegsverbrechen – obwohl es in Belgien kaum zivilen Widerstand gibt. Ende August werden in Löwen 248 Zivilisten ermordet, beim Massaker von Dinant wird ein Sechstel der EinwohnerInnen dahingemetzelt. 674 Tote zählt man dort. Allein bis Oktober 1914 werden 20.000 Häuser zerstört und rund sechseinhalbtausend Zivilpersonen getötet, darunter auch Frauen und Kinder.

Als daraufhin tausende BelgierInnen die Flucht in die Niederlande antreten, deren Neutralität unangetastet geblieben war, errichtet man im Frühjahr 1915 vom damaligen Vierländereck bei Aachen bis an die Küste eine grausame Elektrozaun-Anlage entlang der belgisch-niederländischen Grenze, an der zu einer Zeit, in der viele Menschen noch keinerlei Erfahrung mit Elektrizität haben, Schätzungen zufolge weit über tausend Menschen krepieren.

Wir erinnern heute an diese ersten Tage des Krieges und die Verbrechen der deutschen Armee, die von unseren Städten aus die Nachbarländer überfiel, und manches klingt erschreckend danach, als hätte die Menschheit hundert Jahre später wenig hinzugelernt. Bitte beteiligt euch an den zahlreichen Gedenkveranstaltungen anlässlich Kriegsbeginns vor hundert Jahren und an den aktuellen Demonstrationen für den Frieden, wie auch dem Protest gegen das Atomwaffenlager Büchel in der Eifel.

(Erschienen im LINKSLETTER des Landesverbands DIE LINKE NRW)